Zen-Meditation - Schmerzen verwandeln

Meditation ist die Kunst, eine Art von Energie zu nutzen, um eine andere zu transformieren.

(Thich Nhat Hanh)

Im Zen meditierst du in der Regel im Sitzen , ist dies nicht möglich, kannst du auch jede andere Position eingenommen werden.
In der Meditation bringst du deinen Geist zu Ruhe. Normalerweise reist dein Geist permanent umher, ist mal in der Vergangenheit, mal in der Zukunft, beschäftigt sich mit den verschiedensten Fragen und Sachverhalten, hat zu allem etwas zu sagen, während du eigentlich mit anderen Dingen beschäftigt bist. Selten ist dein Geist ruhig und zentriert. Im Zen wird dieser Geist deswegen gerne als „Affengeist“ bezeichnet.
In der Meditation versuchst du, den Affengeist fest in deinem Körper zu verankern. Dazu holst du ihn immer wieder sanft zurück, sollte er sich wieder auf die Reise gemacht haben. Dazu verwendest du den Atem als Anker. Ist dein Geist abgeschweift, gehst du wieder zu deinem Atem zurück.
Es geht dabei nicht darum, Gedankenlosigkeit zu erreichen, sondern aufkommende Gedanken einfach davonziehen zu lassen, ohne ihnen nachzuhängen oder daran zu haften. So ähnlich, wie eine Wolke am Horizont auftaucht, vorüberzieht und wieder verschwindet, so lässt du deine aufkommenden Gedanken vorüberziehen und verschwinden. Dein Geist sammelt sich dabei und wird klar.


Zen-Meditation und der Effekt auf Schmerzen

Bei geübten Zen- Meditierenden reduziert sich das Schmerzempfinden auch im Alltag nachweislich (Untersuchung der Universität Montreal 2009).
Während der Zen-Meditation treten regelmäßig körperliche Wahrnehmungen auf. Ein Jucken, Zwicken, Kneifen, Kratzen, Schmerzen. Indem du versuchst, dies nur kurz wahrzunehmen, darauf aber nicht zu reagieren, trainierst du deinen Geist darin zu unterscheiden, welche Wahrnehmungen wirklich relevant sind und deiner Intervention bedürfen und welche nicht.
Das Gleiche gilt für Schmerzen. Versuchst du, den Beschwerden beim Sitzen durch eine minimale Bewegung auszuweichen, bringst du deinen Fokus darauf und machst das Ganze meist erst richtig schlimm. Du lernst durch Zen-Meditation, unbequeme Schmerzen von alarmierenden Schmerzen zu trennen.
In Bezug auf den chronischen Schmerz (der ja seine Alarmfunktion verloren hat) heißt das, dass du lernst, ihn zu akzeptieren und darauf nicht mehr reagieren zu müssen. Das „Nicht-Ausweichen“ ist zentraler Bestandteil der Zen-Meditation.
Bei regelmäßiger Zen-Meditation trainierst du, deinen Geist stabiler zu halten. Der Zen-Geist ist wie ein glatter See, in dem sich alles, was außenherum passiert, spiegelt. Egal, was auch passieren mag, bleibt die Oberfläche doch ruhig und unberührt.
Zen-Meditation lässt dich auch mit Erschütterungen leichter umgehen. Schlägst du mit der Faust auf einen Tisch, erschüttert es das ganze System: die Faust, die mit deinem Körper verbunden ist, den Tisch mit allem, was darauf steht und dazu den Boden. Schlägst du mit der Faust in ein Kissen, passiert nichts.
Meditation ist wie ein Kissen. Und je besser es aufgeschüttelt ist, desto besser nimmt es alle Stöße auf. Widerstand gegen den Schmerz macht dich hart. Wenn du den Widerstand gegen den Schmerz in der Meditation aufgibst, wirst du weich. Jetzt kann dich der Schmerz nicht mehr erschüttern.
Regelmäßige Meditation ist wie das Kissenaufschütteln am Morgen.

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