Schmerzen aus Sicht des Zen

Warum du unter deinen Schmerzen leidest

Gier, Hass und Verblendung-im Zen die 3 Grundübel des Menschen, die zu Leiden führen: Treten Schmerzen auf, möchtest du den schmerzfreien Zustand möglichst schnell wieder zurückhaben. - Das ist Gier.

Du fühlst dich durch die Schmerzen gestört und möchtest sie wieder loswerden.  - Das ist Hass.

Du greifst zu Mitteln (Medikamenten/ Schmerzmitteln), von denen du dir erhoffst, wieder schmerzfrei zu werden und bildest dir ein, damit das Problem gelöst zu haben.  - Das ist Verblendung.

Du reduzierst dein menschliches Potential auf den schmerzfreien Zustand. Da das einem Zustand entspricht,

den du im Fall von chronischen Schmerzen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr erreichen wirst, leidest du darunter. - Das ist Anhaftung. Anhaftung ist eine Steigerung von Gier. Anhaftung bedeutet den Versuch an etwas unverändert festzuhalten, obwohl es dem Fluss des Lebens nicht Rechnung trägt.

 

Der erste und der zweite Pfeil

Kommt es zu einer Störung in unserem Organismus, die ihn in seiner Unversehrtheit bedroht - sei es von innen oder von außen - melden dir das unzählige Nervenimpulse in Form von Schmerzen. Berührst du mit der Hand etwas Heißes und verbrennst dich, erfolgt sofort eine Reaktion: Du ziehst die Hand zurück. Diese Reaktion läuft so

schnell und automatisch ab, dass du darüber nicht nachzudenken brauchst. - Das ist der erste Pfeil.

 

Hast du dir eine nachhaltige Störung / Verletzung zugezogen, in der Schmerzen länger als ein Augenblick verweilen (um das Beispiel von oben fortzuführen: Die Haut an der Hand ist verbrannt), beginnst du, die Schmerzen bewusst wahrzunehmen und zu bewerten. Zunächst wirst du versuchen, die Haut optimal zu versorgen und danach weiter beobachten, was der Schmerz macht. Und normalerweise wirst du feststellen, dass dich der Schmerz stört, dass er unangenehm ist, dass du ihn loshaben möchtest und dass du darunter leidest.- Das ist der zweite Pfeil.

 

Im Falle von chronischen Schmerzen folgen auf den 2. Pfeil permanent weitere Pfeile. Das Leiden lässt dich nicht mehr los und die Diskrepanz zum ersehnten schmerzfreien Zustand wird immer größer. Du fährst immer mehr Rüstzeug

in Form von Schmerzmitteln und Therapien auf, ohne jedoch das Abfeuern von weiteren Pfeilen zu stoppen.

Wer hier letztlich siegen wird ist klar.

Nur, wenn du die Pfeile stoppst und dich dem Schmerz in friedlicher Weise näherst, hast du die Chance, die Diskrepanz zwischen deinem Wunsch- und jetzigem Istzustand zu verringern bzw. anzunehmen und

dein Leiden zu beenden.

 

So unrealistisch sich das zunächst anhören mag: Es ist tatsächlich möglich sich an einen schmerzhaften Zustand

zu gewöhnen und ihn als Teil deines Selbst zu akzeptieren und sogar gutzuheißen.

Von unseren allerersten Lebensmomenten an lernst du Körperwahrnehmungen so zu verinnerlichen, dass du sie unbewusst gar nicht mehr registrierst, sondern deinen Fokus nur dann darauf richtest, wenn der gewohnte Zustand davon abweicht. Ein einfaches Beispiel dafür ist das Wahrnehmen deines Herzschlages. Eigentlich verursacht er für dich wahrnehmbare Geräusche und Schwingungen durch das in Ruhe ca. 60-80-mal pro Minute Zusammenziehen

und Entspannen des Herzmuskels und die durch die Strömung des Blutflusses bedingten Schwingungen. Das

nimmst du jedoch gar nicht mehr wahr. Erst wenn dein Herz anders als gewohnt schlägt, es stolpert, es rast oder

Herzrhythmusstörungen auftreten, wirst du des Herzschlages wieder gewahr.

In der Medizin wird diese Erfahrung zum Beispiel auch bei Patienten als Therapie von unerwünschten Ohrgeräuschen (Tinnitus) genutzt, die durch eine konventionelle Therapie keine ausreichende Linderung erfahren konnten: Durch Training können sich diese Patienten daran gewöhnen, das störende Geräusch als „normal“ zu bewerten, sodass sie davon nicht mehr irritiert und gestresst werden und so darunter nicht mehr leiden.

Genauso ist es durch Training möglich, den schmerzhaften Zustand als normal zu akzeptieren und gutzuheißen und nur jede Abweichung der Schmerzen vom gewohnten Zustand als unnormal wahrzunehmen und den Schmerz zu einem Teil deines Selbst werden zu lassen.

 

Dem Training im Zen Based Pain Management liegt die Zen-Meditation zugrunde.

Meditation ist wie ein Muskel: Regelmäßiges Training führt zum Erfolg.

 
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